Betrachter

Ich war erst unlängst in meiner Heimatstadt Wien unterwegs. Es war die lange Nacht der Forschung, die alle zwei Jahre (habe ich mir sagen lassen) stattfindet, wo ich einen kleinen Teil des naturhistorischen Museums besuchen könnte. Gezeigt wurden diverse Funde aus den verschiedensten Zeitalter. Ich muss leider gestehen, die Begeisterung meines Sohnes konnte ich nicht teilen. Aber was meine Aufmerksamkeit gewonnen hatte, waren die Bilder, die gleich unterhalb der Decke hingen. Kunstwerke. Ich war fasziniert.
Als ich das letzte Mal in einem Museum für Kunst war (ich meine keine Fotoausstellung) konnte ich dem Ganzen nichts abgewinnen. Darüber bin ich nicht verwundert, war ich doch damals noch ein Schüler und hatte ganz andere Dinge im Kopf (welche weiß ich nicht mehr, aber andere).
Seit der Fotografie, wo ich mich natürlich auch eingehend mit Bildkomposition beschäftigt habe, verstehe ich viel mehr über die Bildwirkung und wie man Dinge gut bis gekonnt in Position setzt. Ich will nicht behaupten ein großartiger Fotograf zu sein, aber es gibt Dinge die lernt man recht schnell, wenn man sich mit der Materie befasst.
Als ich die Bilder betrachtete, habe ich festgestellt, wären sie ein Foto, ein Platz, der sich vor meinen Augen so abspielt, würde ich das Foto auch genau so ablichten. Natürlich haben mir nicht alle Bilder gefallen, aber es waren wirklich tolle Werke dabei.
Ihr könnt Euch sicher vorstellen, welches Museum ich als nächster besuchen will. Das kunsthistorische Museum und es dürfte schon auf mich warten.

So wie ich die Malereien der Künstler betrachtet habe, so betrachten die Betrachter meine Fotos. Vielleicht nicht immer mit dem gleichen Hintergrundwissen, aber den Sinn für das Schöne haben wir fast alle. Ob wir ein Foto nun wirklich toll finden oder nur gut, das mag vielleicht etwas unterschiedlich sein, aber ein scheiß Foto erkennen wir fast alle.
Damit kommen wir zu dem Punkt an dem wir Fotografen feststellen müssen, egal was wir auf unserem Foto ablichten, als Fotograf sind wir dafür verantwortlich, was auf dem Foto zu sehen ist, was nicht und wie es wirkt. Wir müssen uns also immer bewusst machen, egal wie wir uns entschieden haben, der Betrachter darf davon ausgehen, es war eine bewusste Entscheidung, was auch immer auf dem Foto zu sehen ist.
Damit ist die Aussage: „Die Szene war aber so.“ nicht gültig, denn wir hätten uns auch entscheiden können das scheiß Foto nicht zu machen bzw. es zu löschen, eine andere Position oder Komposition zu wählen und es somit dem Betrachter zu ersparen.
Ich will nun auch viel bewusster fotografieren, mehr darüber nachdenken wie der Betrachter das Gezeigte aufnimmt, ob es die Wirkung hat, die ich transportieren möchte. Und wenn nicht, wie kann ich diese Wirkung erzeugen durch eine andere Position, anderes Objektiv, andere Elemente, etc. Ich weiß, dass ich oft gut treffe, auch ohne darüber nachzudenken. Einfach deshalb, weil ich verstanden habe, wie die Regeln funktionieren, wie Bildkomposition funktioniert. Aber damit bleibt man langweilig, fotografiert wie die meisten anderen auch. Ich will mich schon seit Längerem in gewisserweise fotografisch verändern, weiter entwickeln. Ich denke es wird nun an der Zeit das in die Tat umzusetzen.

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