Fotografie ein Prozess wie das Leben selbst

Ich finde, die Fotografie ist ein Prozess wie das Leben selbst. Man beginnt irgendwo bei null, interessiert sich für die neue Welt, die man gerade betritt, informiert sich, denkt man hat gefunden was man sucht, fühlt sich so als hätte man das Ende schon erreicht, um kurz darauf festzustellen „Nein, doch nicht.“

Nach etwas mehr als 6 Jahre Fotografie (wie die Zeit vergeht) und eine gut zwei Jahre andauernden Krise damit, kann ich sagen, es ist noch lange nicht zu Ende. Ich habe auch die Wege anderer Fotografen gesehen und oft gemeint: „Da komm ich nicht hin, das interessiert mich nicht.“ Und dann kam irgendwann doch der Punkt, dass ich auch dort ebenfalls angelangt bin. Das Einzige das mir bisher verwehrt blieb waren die kitschigen HDR-Fotos. Die Gefallen mir auch heute nicht, richtig guten HDR-Fotos sieht man meiner Meinung nach das HDR nicht an. Dem Fachkundigen mag es auffallen, dass der Dynamikumfang der Kamera nicht so weit gehen kann, aber dem Laien oder dem Betrachter an sich, fällt es keinesfalls auf.

Schon vor einiger Zeit habe ich begonnen Fotos so zu bearbeiten, dass sie älter wirken als sie sind. Wirklich zufrieden bin ich damit bis heute nicht, da hilft auch ein Altes Zenit Objektiv nichts, die Sensoren der heutigen Kameras sind viel zu steril. Ich bin also auf der Suche nach Vignettierung, Korn, etc. – das bietet aktuell nur die Analogfotografie. Ich habe mich bisher auch immer gegen die analoge Fotografie gewehrt, weil sie teuer (Die Entwicklung und die Filme) ist und viel zu langsam abläuft. Ich weiß auch gar nicht, was am Ende rauskommt und ggf. ist alles für die Fische gewesen.

Vor zwei Tagen habe ich nach einer analogen Kamera geschaut und kurz überlegt, natürlich auch wieder festgestellt, das ist unnötig. So ganz will mir das aber nicht aus dem Kopf gehen. Mein Kollege hat zwei Einwegkameras auf dem Tisch stehen und ich dachte mir: „He das ist eine gute Idee, auch für Street. Kein Schwein wird Dir damit Beachtung schenken.“ Heute habe ich dann nach Schwarz-Weiß Systeme gesucht und wurde mit Ilford fündig. Bestellt habe ich mir zwar noch keine, aber wenn ich den Weg gehen will/muss, dann mit einer Einwegkamera. Ich werde ganz sicher die analoge Phase nicht komplett mitmachen und lieber gleich zur nächsten Phase übergehen und mich dem hingeben, was mir sowieso schon bewusst ist: Die Kamera spielt keine Rolle. Das würde mir viel Zeit, als auch Geld sparen.

Und was danach kommt, weiß ich jetzt noch nicht. Ich bin schon froh das mir die Fotografie aktuell wieder viel Spaß macht und ich sogar, mehr oder weniger, jeden Tag ein Foto mache. Einfach nur aus persönlichen Emotionen heraus, nicht auf den Anspruch der Sinnhaftigkeit des Fotos, wie ich es die letzten Jahre versucht habe. Ich denke, da ich mehr den Weg des Künstlers als den des praktischen Fotografen gehen will, darf ich nicht ständig die Sinnhaftigkeit eines Fotos hinterfragen, sondern muss mich von meinen Gefühlen leiten lassen. Nur so kann ich meine Persönlichkeit in der künstlerischen Fotografie entfalten. Denn Kunst ist keine Frage von Sinnhaftigkeit, sondern sie berührt einem mit Emotionen, produziert Skandale, zeigt die ungeschönte Wahrheit, greift gesellschaftliche Probleme auf, etc. – glänzt aber nicht nur durch Schönheit und muss auch keinesfalls einen Sinn ergeben. Ich arbeite aktuell mit den Emotionen alleine, damit schaffe ich mehr Bilder für mich als für die Allgemeinheit. Ich habe keinen Anspruch auf Perfektion, keinen Anspruch auf reine Schönheit und auch nicht an die Technik. Es geht aktuell einzig und allein um das emotionale Gefühl, von was auch immer, jetzt ein Foto zu machen. Das muss niemanden gefallen und bringt mit Sicherheit auch genau die Fotos hervor, die ich die letzten Jahre immer kritisiert habe. Aber vielleicht lerne ich dadurch die Welt der Fotografie besser zu verstehen. Und wenn nicht, hat es mir zumindest Spaß gemacht, das für mich Wichtigste in der Fotografie.

Fuji X-T1, Helios M44-4 58mm f2.8 – JPG Out Of Cam (OOC), der Frühling beginnt