Die Fotografie und ich…

Es ist kompliziert. Ich liebe Sie, sie bereitet mir Freude, macht mich glücklich, erwärmt mein Herz und streichelt sanft meine Gefühle. Auf der anderen Seite bringt Sie mir aber auch Unzufriedenheit, frustet und lässt mich einfach irgendwo im Regen stehen. Dabei ist gar nicht die Fotografie das Problem, das Problem ist meine Einstellung. Ich möchte alles perfekt machen, ich will vor allem mich selbst aber auch die anderen vollkommen zufriedenstellen. Ich verkompliziere die Fotografie und die Projekte durch den Perfektionismus. Und eigentlich ist genau das mein Problem. Der Grund, warum Projekte aus den ersten Gedanken nicht hinauskommen, denn beim nächsten Mal, wenn ich wieder darüber nachdenke, kommt es mir zu wenig, zu unprofessionell, zu simpel, nicht genug durchdacht oder gar lächerlich vor.

Ich habe mir irgendwann angewöhnt alles und jedem zu hinterfragen. Dieses Hinterfragen sorgt dafür, dass ich mir viele Gedanken mache. Es sorgt dafür, dass nach dem ersten Gedanken in Euphorie, der zweite, das Ganze als unzureichend oder lachhaft abtut. Dabei täte ich gut daran, einfach mal zu probieren, daraus zu lernen, um das Ganze im nächsten Schritt besser zu machen. Doch für mich fühlt sich das Try & Error Prinzip so falsch an. Vielleicht hängt es auch mit meinem Beruf zusammen. Ich bin IT System Administrator. Try & Error in meinem Job würde dazu führen, dass ich ein ganzes Unternehmen lahmlegen könnte, ggf. würden viele, oder gar alle, Ihren Job verlieren. In der Fotografie mag das zwar nicht ganz so schlimm sein, aber die Zeit der anderen möchte ich auch nicht verschwenden, wir haben nur das eine Leben. Unsere Lebenszeit ist begrenzt und kostbar, vor allem die verbleibende Freizeit. Deswegen schätze ich die meinige Lebenszeit als auch die meine Mitmenschen.

Ich muss lernen, dass ich mit Perfektionismus über das Planen nicht hinauskomme, lernen das ich Fehler machen muss, um besser zu werden. Ich weiß um meine Probleme (schon seit mehr als einem Jahr), doch ehe ich mich nicht davon befreien kann, emotional befreie, werde ich immer wieder Probleme haben, mit meiner geliebten Fotografie eins zu werden.

Das ist der Grund, warum ich mir in den letzten Jahren so schwer mit der Fotografie tue. Zumindest einer, der mir aktuell bewusst ist. Mein Ziel lautet daher für 2018: Weniger reden, mehr tun.

Dies ist ein Einblick in meine Selbstreflexion. Ich lese gerade das Buch „Der kreative Fotograf“ von Heidi und Robert Mertens (erschienen beim Rheinwerkverlag). In einem Teil des Buches geht es darum, dass manche sich selbst bremsen, weil sie an ihrem Perfektionismus festhalten, Unerwartetes nicht zulassen wollen. In meinem Fall ist es auch ein wenig Angst vor dem Scheitern, obwohl ich weiß, dass ich es kann. Das hier geschriebene war mir auch schon vor einem Jahr bewusst, wie ich erst nach diesem Text gelesen habe. Da merke ich wie wenig Zeit ich habe mich mit mir selbst auseinanderzusetzen, denn ich konnte mich an meine Erkenntnis noch nicht einmal mehr erinnern. Und ja, ich widerspreche mir oft selbst, fällt mir auch schon auf. So sieht eine Welt aus, wo die Steine noch ungeordnet auf einem Haufen liegen, man nicht weiß wie der Weg denn aussehen soll, geschweige denn, wie man die Steine legen soll, damit daraus ein Weg wird.